Pressemitteilung der Stadt Hannover
Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher sozialer, religiöser, ethnischer und kultureller Prägung war schon immer ein Hauptmerkmal städtischen Lebens. Am Miteinander der Menschen in den Städten lassen sich Weltoffenheit und Toleranz einer Gesellschaft am ehesten ablesen. Den Städten fällt traditionell die Aufgabe der Integration zu.
In Anbetracht des demografischen Wandels auch im Sinne eines wachsenden Bevölkerungs-
anteils mit Migrationshintergrund gehört die Ausrichtung und Nachjustierung der Migrationspolitik heute stärker denn je zu den wichtigen Anforderungen kommunaler Politik.

"Mit der Ausarbeitung zur 'Interkulturellen Arbeit in der Landeshauptstadt Hannover' legt die Verwaltung einen fachbereichsübergreifend erstellten Maßnahmenkatalog aktueller und zukünftiger Aufgaben der Migrationpolitik vor", erläuterte Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg heute (16. Juni) bei der Vorstellung der Informationsdrucksache.
"Wir setzen damit die Überlegungen zum Programm 'Hannover plusZehn' fort - und geben dem künftigen Rat der Stadt alle Grundlagen für ein interkulturelles Handlungsprogramm an die Hand", so Schmalstieg weiter.
Das Kompendium geht von dem Ziel der Stadt aus, den Zusammenhalt und die Zufriedenheit aller EinwohnerInnen, ihre Chancengleichheit und demokratische Teilhabe auch unter den Bedingungen einer durch Einwanderung und demographischen Wandel veränderten Gesellschaft zu erhalten und zu stärken.
Integration wird dabei als aktiv zu gestaltender Prozess verstanden, bei dem es darum geht, die Bedingungen für eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für MigrantInnen und ihre Nachkommen zu schaffen. Sie selbst wiederum müssen ihren Teil dazu tun. Praktisch heißt dies, dass die inhaltlichen Grundsätze der Verfassung auch von den MigrantInnen bejaht und mit Leben gefüllt werden müssen.
Der Maßnahmenkatalog umfasst sechs Schwerpunkte:
Leitlinien
Förderung des Spracherwerbs in Deutsch und in anderen Muttersprachen
Förderung der beruflichen Qualifikation junger Menschen mit Migrationshintergrund und
Stärkung der Selbstständigkeit unter Migranten (Migrantenwirtschaft)
Förderung des interkulturellen Verständnisses
Konfliktprävention und Kampf gegen Diskriminierung
Interkulturelle Öffnung der Verwaltung
1. Leitlinien
Für eine erfolgreiche Integration sind verlässliche Rahmenbedingungen und klare Ziele ebenso notwendig wie ein breiter gesellschaftlicher Konsens über diese Bedingungen und Ziele. Die Formulierung der Ziele sollte daher von einem breit angelegten Diskurs in der Stadtgesellschaft begleitet und gestützt werden.
2. Sprachförderung
Ansätze und Vorschläge gegen davon aus, dass die Förderung von Sprachkompetenz sehr unterschiedliche Formen haben muss, da sie einer Vielzahl verschiedener Lebensalter und Lebenssituationen gerecht werden soll. Das Spektrum der Adressaten reicht vom inländisch Neugeborenen über jugendliche QuereinsteigerInnen in das Schulsystem bis zu Asylberechtigten mittleren Alters oder hoch betagten NeuzuwanderInnen.
Dementsprechend werden Programme in den Kindertagesstätten ebenso aufgeführt wie VHS-Sprachkurse und Nachschulungen für Erwachsene, Integrationskurse, Zusatzförderung für Schüler mit Sprachproblemen in der Schule. Ausbildung von Eltern als Multiplikatoren (Beispiel "Rucksackmütter"), Unterstützung von bilingualen Ansätzen wie bei der deutsch-französischen Kita "Die kleinen Galliern".
3. Berufliche Qualifikation und Migrantenwirtschaft
Eines der wachsenden Probleme im Zusammenhang mit Jugendarbeitslosigkeit stellen die ungleichen Chancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund dar. Neben einer guten Schulausbildung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung wesentliche Voraussetzung, den direkten Weg in die Arbeitslosigkeit zu verhindern.
Zu den dargestellten Maßnahmen gehören daher die Einführung schulbegleitender Bewerbungstrainings; die Förderung von Ausbildungsplätzen bei Migrantenunternehmen; Unterstützung von Einrichtungen wie Pro-Beruf, die Auszubildende mit Schwierigkeiten über die ganze Lehre hinweg begleiten.
Um erfolgreich ausbilden zu können, müssen Unternehmen selbst erfolgreich arbeiten und von der Notwendigkeit überzeugt sein, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.
Neben der bereits initiierten Existenzgründerberatung sollen Angebote zur Qualifizierung und Organisationsentwicklung für Migrantenunternehmen ausgebaut werden. Ein Beispiel ist das ALBuM-Projekt unter Leitung der Volkshochschule, einem mit EU-Mitteln geförderten Programm für "Arbeitsprozess-orientiertes Lernen und Beraten von und mit MigrantInnen". Ein kommunales Netzwerk "Migrantenökonomie" soll vorhandene und neue Ansätze und Einzelprojekte bündeln und koordinieren.
4. Förderung des interkulturellen Verständnisses und bürgerschaftlichen Engagements
Das gedeihliche und friedliche Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft - seien sie Alteingesessene, Zugewanderte oder deren Nachkommen - braucht zum einen aktive Förderung von Information und Dialog für alle genannten Gruppen, zum anderen gezielter Bemühungen, die Partizipation von Zugewanderten am sozialen und politischen Leben zu erhöhen.
Neuankömmlingen soll von Beginn an das Alltagsleben in Hannover nahe gebracht und verständlich gemacht werden: Muttersprachliche Orientierungskurse mit 40 Stunden praxisorientiertem Kennenlernen, organisiert durch die Volkshochschule, können dabei ebenso helfen wie die Unterstützung durch die ehrenamtlichen MentorInnen der Welcome Group des Freiwilligenzentrums Hannover e.V..
Besonderes Engagement von Einzelpersonen oder Gruppen für die Integration von MigrantInnen sollte besonders hervorgehoben werden, zum Beispiel durch die Auslobung eines jährlichen Integrationspreises.
Wechselseitiges Vertrauen und Verständnis bei Menschen unterschiedlicher Herkunft entsteht auch durch gemeinsame Arbeit für ein Ziel. Migrantenengagement wie beim Verein "Migranten für Agenda 21" bietet dafür beste Voraussetzungen.
Aktive Mitarbeit an der Gestaltung der Lebensumwelt trägt wesentlich zum Hiesig-Werden und zur Integration bei. Eine mehrsprachige Kampagne zum bürgerschaftlichen Engagement kann anregen und ermutigen, sich zu beteiligen und einzumischen.
5. Konfliktprävention und Antidiskriminierungsarbeit
Der Wunsch nach einer vollkommen konfliktfreien Gesellschaft wäre unrealistisch, weil kaum zu verwirklichen. Darüber hinaus sind Konflikte Indikatoren für Fehlentwicklungen. Vorgebeugt werden muss daher vor allem solchen Konflikten, die in Gewalttätigkeit und andere destruktive Formen zu eskalieren drohen. Konfliktprävention und Konfliktmanagement gehören zusammen.
Um Rassismus und Diskriminierung weiter zu bekämpfen und den Gleichbehandlungsgrundsatz weiter durchzusetzen, ist die Zusammenarbeit aller städtischen Gleichstellungseinrichtungen zu intensivieren.
Mit dem Beitritt der Stadt zur Europäischen Koalition "Städte gegen Rassismus" der UNESCO verpflichtet sich Hannover, das internationale Zehn-Punkte-Programm zur Bekämpfung des Rassismus auf kommunaler Ebene vollständig zu erfüllen.
Auf Stadtteilebene setzt die Diskriminierungs- und Konfliktbekämpfung an mit der Ausweitung des Projekts "Regeln für alle!" (dieselben Grundsätze für den Umgang mit einander werden in allen Kinder- und Jugendeinrichtungen eines Stadtteils verbindlich festgeschrieben, Verstöße überall gleich sanktioniert), mit der Fortführung der Kampagne "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" an Hannovers Schulen sowie der Einführung des Modellprojekts "Wir kümmern uns selbst" (Nachbarschaften werden in Konflikteskalation, -aufarbeitung und -vermeidung geschult).
6. Interkulturelle Öffnung der Stadtverwaltung
Die interkulturelle Öffnung der Stadtverwaltung ist integrales Ziel der Personal- und Organisationsentwicklungsarbeit sowie Teil der Verwaltungsreform und umfasst die Bereiche Personalwirtschaft, Organisationsentwicklung, Ausbildung und Fortbildung.
Dabei soll der Anteil von MitarbeiterInnen mit Migrationshintergrund allmählich erhöht werden; alle Dienstleistungen und Angebote der Stadtverwaltung sind daraufhin zu überprüfen, ob sie dem geänderten Profil der Stadtgesellschaft noch gerecht werden; der Prozess der interkulturellen Öffnung in den Fachbereichen ist zu unterstützen, eine Servicestelle für Menschen mit Migrationshintergrund einzurichten.
Der Anteil der Auszubildenden mit Migrationshintergrund soll erhöht, die interkulturelle Kompetenz bei MitarbeiterInnen und Führungskräften weiter geschult werden.
Ansprechpartner:
Konstanze Kalmus
Telefon: (0511) 168-45023, Fax: (0511) 168-45351
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